Ich fühle mich alleingelassen

Alleingelassen: “Ich fühle mich alleingelassen” hast du vielleicht schon öfters zu dir selbst gesagt. Das Alleingelassen sein ist aber nicht gleichbedeutend mit Einsamkeit. Es kann manchmal dieses Gefühl erwecken.

Wenn du davon sprichst, dass du denkst, du bist alleingelassen, dann möglicherweise im Zusammenhang damit, dass du dich nicht verstanden fühlst. Dass du in einer Situation keine Hilfe erhältst, obwohl du sie erwartest.

Das ist aber keine Einsamkeit. Diese empfindest du, wenn du dich vor allen und allem verkriechst und in einem depressiven Gefühlschaos verweilst.

Warum fühlst du dich manchmal alleingelassen? Vielleicht ist dein Erwartungsverhalten anderen gegenüber zu groß. Eventuell möchtest du, dass andere, dir nahe stehende Menschen, sofort erkennen, was du benötigst?

Wenn du aber deine Wünsche nicht äußerst, können andere sie nicht erraten. Braucht man Hilfe, dann sollte man das ansprechen. Aus Angst, eine Absage zu bekommen und also nicht fragen, ist keine Möglichkeit, sich von dem Gedanken zu lösen.

Wir können nicht erwarten, dass andere Menschen immer sofort deuten können, was wir wollen. Sagen wir ehrlich, machen wir das selbst anderen gegenüber?

Alleingelassen durch Tod des Partners

Anhand eines Beispiels zeige ich einmal auf, wie sich eine Witwe fühlt. Sie hat ihren Mann verloren und fühlt sich nun völlig alleingelassen.

Sie hat erwachsene Kinder, mit eigenen Familien und eigenem Leben. Sie haben ein großes Mitgefühl für ihre Mutter, können aber die Lücke, die ihr verstorbener Mann hinterlässt, nicht füllen.

Die Mutter ist jetzt in einen neuen Lebensabschnitt hineingestoßen, den sie erst einmal begreifen muss. Sie sucht deshalb Hilfe bei ihren Kindern, die ihre innere Leere verstehen sollten.

Sie fühlt sich alleingelassen, obwohl die Kinder natürlich ihren Schmerz nachvollziehen, aber nicht den Platz des Vaters ausfüllen können. Sie leben womöglich in einer anderen Stadt und können nicht immer zur Stelle sein.

Bei meiner Mutter war es so, dass sie das Schicksal beklagte, welches ihr den Mann genommen hat. Unter anderen Umständen hätte sie schon erkennen können, dass der Tod eines Partners zum Leben gehört.

Wenn man aber dann tatsächlich in diesen Lebensabschnitt kommt, will man diesen Gedanken nicht akzeptieren. Jemand – das Schicksal – hat zugeschlagen und man kann es nicht ertragen.

Keine fürsorgliche Zuwendung der Kinder hat gefruchtet. Meine Mutter wollte im Zustand des Schmerzes und Mitleids – im wahrsten Sinne des Wortes – verharren. Mitleiden war ihre Forderung, nicht mitfühlen.

Irgendwann gibt man als Kind dann auf, weil alles was man tut, sowieso keine Linderung verspricht. Dann fühlt sich die Mutter noch mehr alleingelassen und einsam. In diesem Fall passen dann beide Zustände zusammen.

alleingelassen

Alleingelassen und dazu einsam.

Wie können wir uns also von dem Gefühl des Alleingelassenseins trennen?

Indem wir die eingetretene Situation annehmen, weil sie ja auch nicht veränderbar ist. Dafür ist notwendig, in sich zu gehen und festzustellen, dass alle anderen Menschen, auch die nahe stehenden, nichts dazu getan haben, was passiert ist.

Wenn wir reflektieren, dass früher oder später das Leben endlich ist, dann mag das für den Moment nicht tröstlich sein, aber unvermeidbar. Das muss man sich leider – auch in seinem Schmerz – vor Augen führen.

Es gibt nur die Möglichkeit, sein Leben ohne den Partner neu zu ordnen und das Leben so zu leben, wie es nun einmal im Augenblick ist. Routinearbeiten helfen da ein wenig, Ablenkung im Alltagsleben durch neue Erfahrungen.

Da sollte man aber tätig werden und nicht darauf warten, dass irgendwer oder die Kinder das übernehmen, während man selbst alles ablehnt, was hilfreich sein könnte.

Wenn man jedoch alle neuen Ideen ablehnt, dann muss man schon selbst einen Neubeginn planen und wagen, damit das Leben irgendwie weitergeht und wieder lebenswert wird.

Schafft man das nicht selbst, dann gibt es auch professionelle Hilfe, die in Anspruch genommen werden kann. Dabei können die Kinder der Mutter schon Beihilfe leisten.

ich fühle mich alleingelassen

Das Alleingelassen sollte nicht zur Einsamkeit führen, denn die ist noch einmal ein Stück härter zu überwinden.

Ich fühle mich alleingelassen, was tun?

Wenn dieses Gefühl in mir aufkommt, wäre es sinnvoll, tiefer hineinzugehen. Was will es mir sagen? Warum fühle ich mich alleingelassen? Liegt es möglicherweise an Langeweile, sich treiben lassen, im Moment keine Perspektive haben?

Das sind nicht unbedingt Zeichen, die auf Einsamkeit hindeuten, sondern eher dafür, dass ich mich nicht in meiner Mitte fühle. Was heißt das konkret? Kann es Antriebslosigkeit sein, die einfach einmal sein darf?

Nicht jeden Tag fühlen wir uns voller Schwung für die Bewältigung des Alltages. Vieles sind Gewohnheiten, die ohne Nachdenken immer wieder unser Leben bestimmen. Sie sind meistens nützlich für viele Dinge, die sich wiederholen.

Andererseits wollen wir uns gern mit neuen Dingen beschäftigen, die uns Freude machen. Aber oft haben wir dazu nicht den Schwung und denken, dass es daran liegt, weil wir uns alleingelassen fühlen.

Wieder unter Menschen gehen

gemeinsam statt alleingelassen

Lieber würden wir mit anderen Menschen zusammen etwas unternehmen, haben aber keinen Freundeskreis aufgebaut, der dann zur Verfügung steht. Somit sind wir auf uns selbst zurückgeworfen, um etwas zu verändern in dieser Richtung.

Zusammen mit der Familie oder mit lieben Freunden gelingt es uns leichter, von der Trübsal des Alleingelassenseins abzukommen und neue Lebensfreude zu entwickeln.

Dafür müssen wir uns einen Schubs geben und Kontakt zu anderen aufnehmen. Wir können es einfach ausprobieren, ob es uns damit gelingt, die Situation in eine angenehme Richtung zu lenken.

Eigentlich geht es im Leben darum, sich möglichst gut zu fühlen. Dann können wir auch andere unterstützen, denen es nicht so gut geht. Dafür ist es nützlich, selbst gefestigt durch den Alltag zu gehen.

Schmerzen bei Verlust wird es immer wieder geben. Wenn wir damit verhältnismäßig umgehen können, sind wir auf dem richtigen Weg, uns wohl zu fühlen.

Wenn diese Situation aber zu einer tiefen Depression ausartet, kann man es nicht mehr allein steuern. Dafür braucht es Fachkompetenz.

In diesem Blogpost schreibe ich aber über Umstände, die man noch selbst in den Griff bekommen kann, wenn man in sich geht.

Überhaupt ist es wichtig, sich mehr um sich selbst zu kümmern, um herauszufinden, wie ein liebenswertes Leben – auch im Zustand des Alleinseins – aussehen kann.

Wenn du dich als einsam und alleingelassen siehst, dann versuche, dir die positiven Aspekte in deinem Leben vorzustellen, die das Empfinden von Alleinsein schmälern und dich in eine andere Gedankenrichtung bringen.

Jeden Tag diese Übung zu machen, wird ein Fortschritt sein. Auch wenn man sich so mies fühlt, kann man doch aus dieser Gefühlslage herauskommen. Nichts ist in Stein gemeißelt, alles ist veränderbar, man muss es nur wollen.

Vielfach helfen Meditation, Gespräche mit Gleichgesinnten, spazieren gehen in der Natur oder einfach seine Seele baumeln lassen, wie man so schön sagt.

In die Ruhe kommen und die Gedanken vorbeiziehen lassen wie die Wolken, helfen, das Gleichgewicht wieder ins Lot zu bringen. Manche können sich mit Musik im Stillen oder im Lauten ablenken.

Bei Letzterem kann aber passieren, dass man wieder in seine Einsamkeit zurückfällt, wenn man zurück allein zu Hause ist. Das kann nur jeder für sich selbst ausprobieren, was am besten für ihn ist.

Letztendlich ist “alleingelassen” ein Gefühl, das man nur bei sich selbst empfindet. Und soweit möglich, auch bei sich selbst heilen kann.